Wohnmobil Reisebericht Südnorwegen - Geschichte des Leuchtturms Lindesnes Fyr

    Lyndesnes Fyr an der Südspitze von Norwegen

    Die Geschichte des Lindesnes Fyr

    Mehr als 100 000 Touristen pro Jahr verzeichnet das Leuchtturmmuseum Lyndesnes Fyr - für "Seglerherzen" wie uns auf jeden Fall einen Besuch wert!


    Der Hitzedom über Südeuropa und Deutschland mit Rekordwerten von 40 Grad und mehr hat auf die Region von Lister zum Glück nur "warme" Auswirkungen - 25 Grad C ist heute als wärmster Tag gemeldet - eine tolle Gelegenheit, 34 km mit dem Roller zum südlichsten Leuchtturm von Norwegen zu brausen.

    Der gesamte Bereich um das Leuchtfeuer ist zum Museumsbereich deklariert - es gibt Ausstellungsräume, informative Filme, eine Foto-Ausstellung in alten Bunkern und eine Wendeltreppe im Leuchtturm für eine phantastische Aussicht.

    film lyndesnes fyr

    Unser Spaziergang bringt uns als erstes zu einer Höhle (oder einem früheren Bunker) mit einer umfangreichen Fotoausstellung von Norwegens Leuchttürmen. Der Skagerak - die Region, an der die Ostsee und die Nordsee aufeinander treffen - ist ein gefährliches Seegebiet. Kräftige Winde und Strömungen treffen auf das Fahrwasser von Lindesnes - Grund genug, dieses schon im Mittelalter sicherer zu machen. Auf der norwegischen Seite gibt es für die Schiffe so einige Zufluchtsmöglichkeiten durch natürliche Küsteneinschnitte. Trotzdem ist das Seegebiet von Lindesnes und Lista historisch gesehen ein klassisches Schiffbruchgebiet.

    fotoausstellung leuchttuerme norwegen


    Die Geschichte des Leuchtturms Lindesnes Fyr  

    Zahlreiche Infotafeln mit norwegischen, englischen und deutschen Texten vermitteln Interessantes aus der Geschichte rund um Lindesnes Fyr mit historischen Zeichnungen und alten Fotos.

    Am Leuchtturm Lindes Fyr brannte das erste Leuchtfeuer am 27. Februar 1656 und war damit er erste "Leuchtturm" in Norwegen! Es sei ein Holzturm mit 30 Kerzen hinter Bleiglasfenstern gewesen - und war eigentlich nicht von See aus zu sehen - und wurde umgehend wieder "gelöscht - den gibt es heute nicht mehr zu sehen.

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    1725 wurde beschlossen, dass an der Südspitze Norwegens zwei Leuchtfeuer brennen sollten. Eines auf Lindesnes und eines auf der Insel Markoy, 3 km nordwestlich von hier. Der Grund dafür war, dass man die norwegische Küste nicht mit Skagen in Dänemark verwechseln sollte. Die "Zwillinge" hatten beide ein offenes Kohlenfeuer und einen gemeinsamen Leuchtturminspektor. Von seinem Haus und Aussichtspunkt zwischen diesen beiden, konnte er genau sehen, ob die Feuer brannten. Die Feuertöpfe standen im freien und ungeschützt gegen Wind und Wetter. Das machte es sehr schwer, den Abbrand und den Kohlenverbrauch zu steuern. 1776 hatten beide Leuchtfeuer zusammen einen Kohleverbrauch von 250 Tonnen!

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    An beiden Orten mussten die Kohlen von der Anlegestelle bis nach oben zur Feuerstelle gebracht werden. Die Kohlenträger bekamen 3 x täglich Schnaps, damit sie diese Arbeit verrichteten. 1799 wurde auf Lindenes ein viereckiger Turm über 2 Etagen gebaut. Der Kohlekorb wurde außerhalb aufgestellt und das innere diente als Kohlenlager und hatte einen kleinen Wachraum. Eine Repicla der alten "Feuertonne" steht neben den Überresten der Innovation von 1822.

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    Poul de Lowenorn, Direktor im dänischen Seekartenarchiv nahm sich vor, den Leuchtfeuerbetrieb effizienter zu gestalten. Er erarbeitete einen Vorschlag für einen geschlossenen Betrieb des Feuers, indem er den Kohlenkorb in einem geschlossenen Lichthaus platzierte. So bekam man eine bessere Kontrolle über den Brand der Kohlen und es zeigte sich schnell, dass dadurch der Kohlenverbrauch reduziert werden konnte und erhebliche Einsparungen zu verzeichnen waren.

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    1822 wurden die Leuchttürme von Markoy und Lindesnes nach den Zeichnungen von Lowenhorn umgebaut. Der sechseckige Sockel hat Wölbungen, welche im Inneren zu einem zentralen Luftkanal führen. Mit Hilfe einer Rauchgasklappe konnte man den Zug regulieren - unabhängig von Windstärke und Windrichtung. So bekam der Kohlenkorb, der hinter Bleiglasfenstern ganz oben auf dem Turm platziert war, einen gleichmäßigen und ökonomischen Abbrand.

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    1844 wurde das Feuer von Markoy stillgelegt - das Lindesnes Feuer leuchtete in dieser Form bis 1854. In diesem Jahr wurde eine französische Fresnel Linse auf dem sechseckigen alten Turm montiert. Die Lichtquelle war eine Öllampe mit 5 konzentrischen Dochten. Ein Uhrwerk mit einer Gewichtsschnur brachte den gesamten Linsenapparat zum rotieren, so dass das Licht regelmäßig blinkte und auf See gut zu sehen war. Die Gewichte waren an einem kleinen Wagen befestigt, der auf Schienen in einem schrägen Schacht am Felsen abwärts lief. Den Mechanismus musste man in gewissen Abständen aufziehen wie bei einer alten Standuhr.

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    Der gusseiserne Leuchtturm Lindesnes steht auf einem 34 m hohen Felsen - der Leuchtturm selbst ist 16.1 m hoch.

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    Die gusseisernen Elemente wurden auf einem soliden Sockel aus Beton montiert und aus 4 Teilen mit Bolzen zusammen gefügt. 1915 wurde der Linsenapparat und Teile des Lichthauses in den neuen gusseisernen Leuchtturm umgesetzt. Die Linse von 1854 ist noch immer in Gebrauch, aber die Technik wurde modernisiert.

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    Die Lichtquelle ist heute eine Halogenlampe und das Licht wird automatisch ein- und abgeschaltet. Die Reichweite des Lichts beträgt bei klarem Wetter ca. 35 km und hat ein festes weißes Licht mit einem kräftigen Blinken alle 20 Sekunden als Kennung. Heutzutage ist das Lindeness Fyr automatisiert und seit 2003 "ab bemannt".

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    Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur einen schmalen Weg zum Leuchtturm. Der nächste Dampfschiffanleger war in Lillehavn - 3 km entfernt. Dort gab es einen Landhandel und eine Post und der Briefträger kam 2x die Woche zum Leuchtturm. Bei schlechtem Wetter schlugen die Wellen über den Weg - das können wir uns gut vorstellen, denn es ist nur ein schmaler Einschnitt in der Küste und das Wasser läuft ungebremst in diese "Sackgasse", an dessen Rand wir vom Parkplatz kommen.

    Die Kinder des Leuchtturmwärters mussten sich an einem Seil festhalten, um zur Schule und zurück zu kommen. Der Landweg zur Spitze der Halbinsel und zum Leuchtturm wurde aufgrund steigender Besucherzahlen und Autos bereits in den 1930er Jahren verbessert.

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    Seeweg: Der Leuchtturmhafen und das Anlegen im Hafen waren überaus wichtig, denn Lieferungen mit Kohle und Baumaterial mussten über den Seeweg erfolgen. Daher gab es eine Anlegemöglichkeit auf der Westseite und die auf der Ostseite wird noch heute genutzt. Mit seiner Lage war der Leuchtturm Lindenes ein gefragter Arbeitsort. Die Landverbindung machte es den Familien des Leuchtturmwärters und Angestellten einfach, am sozialen Leben teilzunehmen. Ab 1920 waren ein Leuchtturmwärter, ein erster und ein zweiter Assistent hier angestellt. Der Arbeitstag war bestimmt von festen Aufgaben: Wacht im Leuchtturm, Journalführung, Wetterobservationen, Linsenputzen und anderes mehr. Und bei Nebel musste das Nebelhorn bedient werden.

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    Die Familie hatte das Recht, alles zu nutzen, was der Boden und das Meer hergaben. Jede noch so kleine Ecke wurde genutzt, um zu säen und zu ernten. Nach dem Rang der Angestellten, wurde der Boden aufgeteilt. In den äußeren Häusern hielt man Tiere wie Hühner, Kühe, Schweine, Schafe und Ziegen - was zumeist als Eigenbedarf "verfuttert" wurde. Nur die Hummerfischerei brachte ein wenig zusätzliches Geld ein.

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    Die Leuchtturmbewohner produzierten also einen Großteil ihrer Lebensmittel selbst. Das Leuchtturmgebiet und die Umgebung boten ideale Bedingungen für den Anbau von Kartoffeln, Gemüse, Obst und Tierfutter. Jede Familie besaß ein eigenes Nebengebäude, eigenes Vieh und en eigenes Stück Land zur Bewirtschaftung. Zudem gab es die Möglichkeit zum Fischen, sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Verkauf. Da Lindenes Fyr auf dem Festland liegt, konnten die Bewohner einfacher einkaufen gehen und sich mit anderen Bewohnern treffen.

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    Der erste gusseiserne Leuchtturm der Welt kam aus England und wurde 1841 in Jamaica aufgestellt - der erste Norwegische wurde von Baerums Eisenwerk produziert und 1854 auf Eigeroy errichtet. Die norwegische Leuchtturmgeschichte reicht über 350 Jahre zurück. 1814 gab es nicht mehr als 10 Leuchtfeuer, doch dann begann die Zeit der Expansion - Norwegen wurde ein unabhängiger Staat - und bis 1905 wurden während etwa 100 Jahren 200 bemannte Leuchttürme errichtet. Heutzutage werden alle Leuchttürme automatisch betrieben und spielen noch immer eine wichtige Rolle in der Sicherheit der Seefahrt. Als eine der ersten Nationen in der Welt, stellte Norwegen 83 Leuchttürme unter Denkmalschutz - 68 davon gehören dem Staat.


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    Eigentlich wollten wir eine 6-km-lang Küstenwanderung unternehmen - irgendwie ist der Nachmittag bei der Besichtigung mit dem Lesen der umfangreichen Infotafeln zu schnell vorbei - da müssen wir wohl noch einmal kommen!  So unternehmen wir nur eine kleine 2 km-Rundtour.

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