MIAT - Museu Industrial e Artesanal do Têxtil
Museum für industrielle und handwerkliche Textilien
8 km von Alvados entfernt ist der Wohnmobil Stellplatz Mira de Aire. Hier ist das MIAT - ein Textilmuseum. Es sieht von außen eher aus wie ein Geschäft für Decken und Strickwaren, dessen Tür uns von einer netten Dame geöffnet wird und die uns hineinbittet.

Das goldene Zeitalter der Textilien in Portugal ist längst vorbei, als Mira de Aire eines der wichtigsten Textilindustriezentren mit der Teppichfabrik Tapetes Dom Fuas - später Tapetes Vitória - im 20. Jahrhundert war - so beginnt die Erzählung während der Führung, die uns vieles erklärt und uns Zeit lässt, alles in Ruhe zu betrachten.

Die Dame begleitet uns mit ausführlichen Schilderungen der Glanzzeit der Firma Vitória, die ihren Ursprung in diesem kleinen Gebäude hatte und als Arbeitgeber für die Bevölkerung nach 87 Jahren Firmengeschichte leider 2010 in Insolvenz ging.
![]() |
![]() |
2020 entstand aus Teilen des Inventars das interessante Museu Industrial e Atesanal do Têxtil, das das Andenken an die Generationen, die hier arbeiteten, die Wolle aufarbeiteten und tausende von Teppichen, Strickwaren, Decken und Stoffen herstellten, bewahren will.

Wir finden es toll, das industrielle Erbe einer Region zu erhalten und sind begeistert von dem Einblick in den Produktionszyklus "vom Schaf bis zum Wollteppich".

Vitória gab 750 Beschäftigten Arbeit - und da diese nicht alle allein aus dem Ort Mira de Aire stammten sondern aus der großen Umgebung, entstand ein Wohnheim für 300 Frauen.
![]() |
![]() |
Familien bezogen kleine Häuser oder Wohnungen und die alleinstehenden Frauen schliefen in einem großen Saal.


Gekocht wurde für sie in dieser klitzekleinen Küche, in die wir schauen und staunen, dass die Köchinnen es schafften, hierin so große Portionen zuzubereiten.
![]() |
![]() |
Für die Kinder wurde ein Kindergarten eingerichtet und gegessen wurde gemeinsam in der Kantine.


Der Prozess der Wollverarbeitung von der Schur über das Waschen, Kardieren, Spinnen, Färben und Weben ist zum einen auf Schautafeln erklärt und mit Zeichnungen dargestellt und zum anderen durch die ausgestellten Gerätschaften und Maschinen.

Eine Umfangreiche Sammlung an handbetriebenen und industriellen Maschinen, die für den gesamten Prozess der Wollverarbeitung eingesetzt werden, eröffnet sich in den Räumen des Textilmuseums.
Tapetes Vitória stellte über Jahre Wollteppiche her, sowohl für den "Hausgebrauch" als auch maßgefertigt für Hotels, Kongresszentren usw.

![]() |
![]() |



Vom Entwurf über die Fertigungszeichnungen, die Wollmuster, Farbtafeln und anderen Gerätschaften ist ein kleines ausgestattetes Büro und der Arbeitsplatz der Musterzeichnerinnen mit interessanten Büchern, Tafeln, Schriftstücken und vielem mehr erhalten.

![]() |
![]() |
![]() |
An dem 4 m breiten ausgestellten Webstuhl für Teppiche arbeiteten 4 Teppichknüpferinnen nebeneinander - die gleichzeitig mit einer Reihe ihrer Teppichknoten fertig sein mussten, damit diese dann mit einem langen Kamm fest geklopft werden konnten.

Eine Flachbettstrickmaschine, Hand- und mechanische industrielle Webstühle stehen hier ebenso wie eine Raumaschine, bei der die Stoffe angeraut werden und eine flauschige Oberfläche erhalten.


In einer riesigen Kardiermaschine wird die rohe Wolle durch verschiedenartige Walzen solange bearbeitet, bis am Ende die Fasern parallel liegen und aufgewickelt werden können.
![]() |
![]() |

![]() |
![]() |
![]() |
Diese wandern dann weiter zur Spinnmaschine, die diese dann in feinen Fäden auf die Spindeln wickelt, die an den Webstühlen und Strickmaschinen verarbeitet werden können.


Den Abschluss der Geschichte über Wolle und Stoffe bildet eine eingerichtete Schneider- und Schusterwerkstatt.




Und eine alte Nähmaschine der Marke Oliva, die über 80 Jahre lang eine Ikone der portugiesischen Unternehmen war.

Das Oliva Werk bildete über 34 000 Schüler*innen in Kursen für Stoffzuschnitt, Nähen und Sticken aus, veranstaltete jährlich eine Miss Oliva-Wahl und wurde 1969 von einem amerikanischen Konzern übernommen. 30 Jahre später schlossen sich ihre Pforten und eine beendete die Oliva-Ära.
Wir sind begeistert vom MIAT - Museu Industrial e Artesanal do Têxtil!















