Grutas Mira de Aire - Wunder der Geologie
Tropfsteinhöhlen Grutas in Mira de Aire
Zu einem der 7 Naturwunder des Landes wurde das größte Höhlensystem Portugals gewählt - wir sind gespannt, was uns nach Besuch der Santo Antonio und Alvados Höhle erwartet.

Ernesto Orais erzählt uns im Audio-Guide von der Geschichte der Grutas de Mira de Aire und "begleitet" uns während der Besichtigung. Wir werden 600 m dieser riesigen Kammern besichtigen. Entdeckt wurden die Höhlen von Ernesto zusammen mit 3 Männern aus Mira de Aire , als sie in einem Schacht nach Wasser suchten. Der Winter war ziemlich trocken gewesen - und hier, bei den Mühlen Moinhos do Velhhos gab es ein Loch, aus dessen Riss bei kaltem Wetter eine Dampfsäule austrat, die auf das Vorhandensein von Wasser hindeutete.

Am 27.7.1947 haben 4 Männer aus Mira de Aire den vertikalen Eingang, aus dem wegen der etwa 16-18 Grad warmen Luft im Höhlensystem bei Kälte diese beim Austritt kondensierte und den "Nebel" verursachte, zum erstem Mal betreten und fanden erst nach 6 m wieder Boden unter den Füßen. Der Raum wird heute "Großer Saal" genannt und hat die Abmessungen von 15 m Breite x 20 m Länge x 30 m Höhe und ist der Größte im Höhlensystem. Über Treppen können wir hinunter und durch ihn hindurch gehen - das ist schon sehr beeindruckend.
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6 Monate, nach unserem ersten Betreten der Höhle stießen wir auf etwas überraschendes und frustrierendes zugleich. Dieser große und prächtige Raum war erstaunlich, aber er hatte keinen Eingang. Die Erkundung war in eine Sackgasse geraten. Der Lichteinfall war schwach und die Ein- und Ausgänge der Höhle waren rudimentär. Doch die Südwand hatte eine breite Öffnung, die auf einer Linie mit dem Hauptbruch lag. Sie war breit, aber unzugänglich, da sie an einem sehr hohen und steilen Punkt lag. Ein gefährlicher Anstieg mit wenigen Punkten zum Abstützen. Aber das hielt uns nicht auf und wir eroberten die Kanzel.
Hoch oben an der Wand klettert eine Attrappe und zeigt uns heute den damaligen Weg.
"Als wir 1947 hier ankamen, war alles stockfinster und wir kamen nur mit Kerzen an diesen Ort. Wir wussten nicht, dass vor dem Fenster uns ein Abstieg von etwa 16 m ewartete. Um eine Vorstellung von der Tiefe dieser dunklen Grube zu bekommen, warfen wir brennendes Stroh hinunter und warteten und warteten... bis es auf dem Boden landete." Der Abstieg erfolgte zunächst mit Seilen einer Spedition ... und tatsächlich sehen wir "einen Entdecker" hoch oben an der Wand im Seil.

Durch einen Felsdurchbruch verbunden, kommen wir in den "Roten Saal", der seinen Namen aufgrund von Eisenoxyd hat, das auf der Oberfläche vorhanden ist und die den Ablagerungen den einzigartigen Farbton in Variationen verleiht.
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Wenn die Decke geneigt ist, fließt das durchsickernde Regenwasser anstatt zu tropfen wie in Fäden, was zur Formationen führt, die als Vorhänge oder Fahnen bezeichnet werden. Wenn wir sie betrachten, scheinen sie vereisten Wasserfällen zu gleichen. Die Art und Weise, wie das Wasser durch verschiedene Punkte an Wänden und Decke dringt, ließ mehrere stalagmitische Mäntel mit sogenannten Gurs entstehen - das sind Ablagerungen unterschiedlicher Größe, in denen sich Höhlenperlen bilden können.

Diese Quallen verbrennen keine Haut und verursachen auch keine Allergien. Sie sind empfindlich und sehr alt! Wie ist die Quallenform entstanden? Irgendwann stürzte von der Wand oder der Decke ein Wasserstrahl anstatt langsam zu tropfen. Dieses große Wasservolumen führte zu Formationen wie dieser, wo die Calzitablagerungen stärker verteilt sind und mehrere Tröpfchen an ihrem Rand Fahnen bildeten.
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In 80 m Tiefe finden wir mit 8 m den größten Stalaktiten der Höhle, der fast den Boden berührt und "Orgelraum" genannt wird, weil wir eine Formation sehen, die einer Qualle ähnelt aber viel ausgebreiteter ist und einer Pfeifenorgel ähnelt, die oft in Kathedralen stehen.

Es geht immer weiter in die Tiefe - der Weg führt sanft über ein natürliches System von Terrassen nach unten, bis wir 100 m unter der Erdoberfläche stehen.

Durch einen Kanal fließt ein schwarzer Fluss, dessen Wasser durch seine mineralischen Bestandteile schwarz gefärbt ist. Von hier sind 7 Stunden beschwerlicher Fußweg notwendig, um den weitesten und bekannten Punkt des Flusses zu erreichen.

Besondere Stalaktiten von einem Durchmesser von 5 mm, die über "mehrere Jahre" konstant geblieben sind - werden Spaghetti genannt. Das Wachstum beträgt ca. 1 cm pro Hundert Jahre! Die Besonderheit dieser Spaghetti aus Stein ist, dass sie nicht nur ihre Dicke behalten sondern auch von innen hohl sind, was eigentlich selten vorkommt. Wir würden sie Makkaroni nennen, auch wenn diese nicht so dünn sind da bei diesen das Innere hohl ist.

In der große Galerie sind zahlreihe Nischen zauberhaft beleuchtet und heben die phantastischen Formationen von Stalaktiten und Stalagmiten hervor.
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Ursprünglich war diese Fläche eine Sandablagerung des schwarzen Flusses. Durch den Bau eines Staudammes führt dieser See nun ganzjährig Wasser und fällt nicht im Sommer trocken. Innerhalb des Flusslaufes wurden Springbrunnen installiert, die die Auswirkungen durch die Besucher auszugleichen versuchen und die Luftfeuchtigkeit stabil halten. Uns gefällt dieses bunte Spektakel eigentlich nicht und hätten diese ohne grellbuntes Licht schöner gefunden.

Jetzt haben wir das Ende unserer interessanten Höhlenwanderung erreicht. Es waren 638 Stufen sein und 100 m hinunter in die Tiefe - die wir aber nicht wieder hinauf schnaufen müssen, sondern mit einem Aufzug an das Tageslicht gebracht werden.
70 Jahre Höhlenforschung - diesen Titel trägt eine Fotoausstellung mit persönlichen Fotos der Entdecker der verborgenen und phantastischen unterirdischen Welt.
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Der Fund der Grutas Mira de Aire ist der Grund für die Gründung der portugiesischen Gesellschaft für Höhlenforschung, die noch heute hier arbeitet . Obwohl mittlerweile 11 km des Höhlensystems bekannt sind, gibt es noch viel weiteres zu entdecken.











