Ätna - Silvestri Krater

Der Vulkan Ätna und die Silvestri Krater

Über den Wolken - Wandern auf Lava am Ätna

Der Vulkan Ätna lockte uns schon lange, aber die Temperaturen sind erst jetzt sommerlich – also kein Frost mehr in Sicht. Von Avola aus geht es flott über die Autobahn und dann zur SP92.

Vor strahlend blauem Himmel erhebt sich der „Mongibello“ mit kleinen krönenden Rauchfahnen an den Gipfelkratern und nur hin und wieder einem verirrten Wölkchen. Ein Schachbrettmuster von weißen Schneefeldern auf schwarzem Lavagestein verziert den Anblick.

etna landschaft

sp92 1

Die gut ausgebaute Strada Provinziale 92 schlängelt sich ab Nicolosi erst durch fruchtbares Gebiet mit Zitrusbäumen. Der Bewuchs wird spärlicher, bis wir durch Felder erstarrter Lavaströme durchbrochen von Bauminseln fahren. Der Lavastrom stoppte 2001 nur wenige Kilometer vor Nicolosi.  Es stellt sich ein bisschen Grusel ein bei der Vorstellung der glühenden Gefahr des nun so friedlich wirkenden Vulkans.

Die ca. 20 km lange SP2 windet sich durch tiefschwarz hochaufgetürmte versteinerte Lava,  die Kokshalden ähnelt. Ödnis aus Lava ohne ein Fitzelchen Leben haben die zahlreichen Vulkanausbrüche hinterlassen. Die erste Nacht verbringen wir auf etwa 1300 m Höhe mit Blick auf die Lavafelder.

lava haus

Der große Vulkanausbruch von 2002 wird - warum auch immer - als perfekter Vulkanausbruch bezeichnet. Er gilt als einer der explosivsten der letzten 100 Jahre und in Bezug auf die Infrastruktur auch als einer der destruktivsten: die gesamten touristischen Einrichtungen, Unterkünfte und Sportanlagen wurden vom Lavastrom bedeckt - in einer Nacht wurden 30 Jahre von Investitionen zerstört. Die Wunden der Zerstörung sind noch immer sichtbar - wo eine Mond-Landschaft wie in Neuseeland am Tongariro - den Platz einer fruchtbaren Landschaft eingenommen hat. Aber wie Ameisen bauen die Menschen unermüdlich Zerstörtes wieder auf.

Auf 1900 m Höhe erreichen wir den höchsten Punkt der SP 92. Hotels, Souvenirläden und die Talstation des Funivia Etna und große Parkplätze - Tourismus-Einrichtungen für jährlich über eine Million Besucher. Nur jetzt während des Corona-Lockdowns auf Sizilien „Orange“ sind alle Anlagen geschlossen - bis auf 3 kleine Andenkenbuden.

Der Ätna ist ja in diesem Jahr sehr unruhig - von Giardini Naxos aus konnten wir ja oft die Eruptionen und Lavaströme beobachten und bei unserem Ausflug nach Frankavilla di Sicilia sahen wir die riesigen schwarzen Aschewolken auf das Land regnen. Auf der SP92 und auf den Parkplätzen sind die Seitenstreifen von Bergen mit schwarzem Lavasand bedeckt und mit Baggern wird der Sand nun wie Schnee beiseite geräumt bzw. abgefahren.

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Wir wollen hier oben unsere zweite Ätna-Nacht verbringen und parken mutterseelen-allein auf dem riesigen Parkplatz in Wolken und sehen nichts. Doch wir haben Hoffnung, denn für den folgenden Tag ist wolkenfreier Ätna angesagt. Abends verziehen sich erst die Schwaden über uns und es wird blau, doch unter uns liegt eine Wolkendecke – wir sind über den Wolken!

Am nächsten morgen erstrahlt die Welt um uns – die Berghänge der Ätna Krater schimmern als schwarz-bunte Vulkanlandschaft. Uns umgibt eine wilde Vulkanlandschaft mit all ihren verschiedenen Schwarz-, Rot-, Braun-, Grau- und Gelbtönen und dem Weiß der in der Sonne brutzelnden kleinen Schneeflecken. Und eine überwältigende Stille – kein menschlicher Lärm, kein Vogel – absolut tiefe Stille.  

Silvestri Kraterlandschaft

Nicht weit vom Rasthaus Rifugio Sapienza reizen die Silvestri-Krater, die beim Ausbruch von 1892 und 2001 entstanden, zu einem Rundgang. Der kleine untere Krater ist leicht zu besuchen, da er sich nur wenige Meter von der Straße entfernt befindet. Der starke Wind weht uns fast vom kleinen Kraterrand. Die zu Stein erstarrte Lava ist hier oft rotbraun und bildet einen tollen Kontrast zum schwarzen Lavasand.

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Der obere Krater dagegen benötigt mehr Puste als “der kleine Bruder”, da man zum Erreichen des Kraterrandes erst einen steilen Anstieg überstehen muss. Ein Schild an der Straße sagt, dass man in nur 25 Minuten diesen Kraterrand Silvestri aus dem Jahr 2001 erreicht. Allerdings sind diese alles andere als ein gemütlicher Spaziergang, denn es geht höllisch steil hinauf – in einem Winkel von 40 Grad ist ein breiter Weg geschaufelt, der wie auf einem Balkon zum Kraterrand hinaufführt.

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Es knirscht unter unseren Schuhen, als liefen wir durch Schnee. Der schwarze Vulkansand ist trittsicher, wir sinken nicht ein und rutschen auch nicht – nur hin und wieder, wenn es durch kleinere Lavabröckchen uneben wird. Puh, ist das steil - dann aber haben wir den Aufstieg bewältigt.

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Am Rand des Crateri del 2001 belohnt eine herrliche Sicht über die tiefer gelegenen Lavafelder bis nach Catania und das Ionische Meer, die südwestlich liegenden Gipfel des Ätna, die Bergstation der Seilbahn und in den mustergültig runden Trichter des Silvesterkraters selbst.  Auch die offenen Kegel mehrerer unter uns liegender Krater und selbst ein kleiner, vom Lavastrom verschonter Wald lassen sich vom Silvestri sehr gut überblicken.

silvestri krater 1b Wir spazieren den Kraterrand entlang und wählen dann einen anderen Abstieg, der uns kreuz und quer durch das in bizarren Formen der versteinerte Magma und durch die Vulkanwüste leitet. Plötzlich hören wir ein seltsames dumpfes Geräusch - es ist der Mongibello, der eine Dampfwolke in den Himmel schickt. Hoffentlich bleibt es bei diesem kleinen Intermezzo - bitte bitte!

Wir genießen 2 weitere Nächte und mehrere Streifzüge durch diese Mondlandschaft bei warmen Temperaturen. Welch ein Wunde der Natur, dass in diesem öden Gelände Pflanzen ihre Heimat findensizlianischer astragalus Der Sizilianische Astralagus wächst mit dornigen grünen Kissen auf dem schwarzen Lavasand, die aufgrund ihres riesigen Wurzelsystems eine wichtige Rolle bei der Festigung sandiger Böden spielt. Es kommt nur auf dem Ätna vor und zwar auf trockener saurer Lava.

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