Museumstipp Alcobaça: Weinmuseum
Museu do Vinho in Alcobaça
Die umfangreichste Sammlung Portugals zum Thema Wein erwartet uns in einem alten Weingut von Alcobaça, durch die wir von einem englisch sprechenden Führer geleitet werden.

Der Winzer Jose Eduardo Raposo de Magalhaes gründete 1875 das Weingut Adega do Olival Fechado, in dessen Räumen sich seit 2013 das Museo da Cultura do Vinho befindet.

Der Weinkeller wurde später von den Erben des Gründers an den portugiesischen Staat verkauft und durch die JNV in ein nationales Lagerhaus für Wein umgewandelt. Die historische Junta Nacional do Vinho (JNV) war eine wichtige Organisation der portugiesischen Weinwirtschaft, die seit 1986 Instituto da Vinha e do Vinho (IVV) heißt.
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Das Museum bewahrt heute eine umfassende Sammlung der Weingeschichte von Portugal vom 17. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit. Durch die Weinorganisation JNV wurde die Lagerkapazität des Weingutes durch riesige Holzfässer erhöht, Maschinen aus europäischen Ländern gekauft und der Weinherstellungsprozess industrialisiert.

Aus dem Weinkeller entstand ein vertikales Stahlbetonlager mit 18 Stahlbetontanks mit einem Fassungsvermögen von 19 000 bis zu 50 000 Litern. Das Stahlbetonlager ist eigentlich das Haus, in dem wir stehen, denn die Tanks wurden geöffnet, mit Türen versehen und sind damit Ausstellungsflächen für interessante Exponate der Weinherstellung, in denen wir jetzt „herumspazieren“.
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Die schwarze Ablagerungen an den Wänden sind aber keine Schimmelflächen sondern die Reste der Rotweinablagerungen. Später sehen wir eine Weinsteinplatte aus einem Fass, das 25 Jahrgänge enthielt, ohne geöffnet zu werden und von kristallinen Ablagerungen bedeckt ist.
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So ähnlich sahen vielleicht die Wände hier vor einer Reinigung und Umgestaltung aus. Der Geruch in den alten Weinkellern ist gar nicht modrig, obwohl der visuelle Eindruck uns erst ein wenig zurückschrecken lässt.

Im Flur sind 11 Tonkrüge aus dem Alentejo ausgestellt, von denen die ältesten aus den Jahren 1828 und 1858 aus Bauernhäuser der Gegend stammten.

Eine riesige Sammlung Kupfervitriolspritzen, Blasebalg-Schwefler, Laboreinrichtung, Rebenscheren, Reklameschilder und und und.... vielerlei Gegenstände, die wir gar nicht kennen – ob mit Namen oder ihrem Verwendungszweck
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Wir laufen durch die großen Weißweinkeller, die die weißen Trauben aufnahmen, bevor sie in einer Traubenmühle zerquetscht wurden. Weitere Tonkrüge, Handpressen mit hölzernen Presszylindern, eine Schneckenpresse, 2 hydraulische Pressen, eine Traubenmühle mit Traubenabbeermaschine (einem alten und seltenen Exemplar) und vieles mehr schauen wir uns an. Die Sammlung ist so umfangreich, dass man kaum weiß, wohin man schauen soll.

Wie gut, dass Exponate durch den Führer erklärt werden.


Er erzählt uns auch, dass die Portugiesen den größten Pro-Kopf Verbrauch an Wein auf der Welt hätten – kaum zu glauben – aber wahr. Mit ca. 68 Litern liegen sie vor Frankreich und Italien.

Über eine schmale Treppe kommen wir in das obere Stockwerk, in dem sich 5 gemauerte Kelter befinden. Jedes hat eine Öffnung, durch die die roten Trauben in die bewegliche Traubenmühle geleert wurden, die auf 2 Holzträgern montiert war, so dass man sie durch jedes der "Fenster" der Keltern mit Trauben füllen konnte.

Der Most lief durch die Schwerkraft in die Fässer, die sich in einem Nebengebäude zu ebener Erde befanden.

Auf einem Zwischenboden stehen Destillierkolben, von denen der älteste aus dem 18. Jahrhundert stammt und in einem hellen Raum sind einige hundert Weinflaschen ausgestellt, manche über 100 Jahre alt.



Neben den Gebäuden sind die großen Lagerbehälter in den Boden eingegraben und in einer Halle stehen 17 Weinfässer aus Eiche mit einem Fassungsvermögen zwischen 2 500 und 23 577 Litern, in denen der Rotweine ca. 6 bis 18 Monate reifen konnte.


An den Gebäuden entdecken wir beim Verlassen noch wunderschöne Kachelbilder mit Motiven des Weinanbaus, der Weinherstellung und natürlich der Verkostung.















