Vrangfoss Schleuse

Nostalgische Schiffe in der Vrangfoss Schleuse am Telemark Kanal

Schleusenerlebnis Vrangfoss Schleuse mit dem MS Victoria und MS Henrik Ibsen

Auf dem Weg vom Gaustatoppen zur Vrangfoss Schleuse am Telemark Kanal durchfahren wir eine liebliche leicht hügelige Landschaft, die immer wieder von schroffen Bergklippen durchbrochen wird - blau schimmern Seen durch die grünen Wälder.

Einige Seen wurden um 1890 durch den Telemark-Kanal miteinander verbunden und ermöglichten damit eine Wasserregulierung für die am Ufer arbeitenden Sägewerke, verhinderten Überflutungen, erleichterten das Flössen von Holzstämmen und schufen damit eine Verbindung vom Meer zum Gebirge.
Der Telemark-Kanal mit 18 Schleusenstufenbewältigt einen Höhenunterschied von 72 Metern und führt über weite Strecken durch bereits vorhandene Seen und verbindet sie so miteinander. Heutzutage wird der Telemark-Kanal touristisch genutzt - es fahren sowohl Sportboote als auch Linienschiffe die 105 km lange Route. Von den Linienschiffen passierten 2 nostalgische Schiffe während unsere Aufenthaltes die Vrangfoss-Schleuse: Das 1882 erbaute M/S Victoria - die „Königin des Kanals“ - und das M/S Henrik Ibsen von 1907.

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Der Kanalbau mit 8 Schleusensystemen – wir haben davon neben der Vrangfoss-Schleuse auch die kleineren Anlagen in Ulefoss mit 3 Kammern und 10,7 m Hubhöhe sowie in Eidsfoss mit 2 Kammern und 10 m Hubhöhe besucht - war eine der größte technischen Herausforderungen seiner Zeit in Norwegen.

vrangfoss schleuse

Die Vrangfoss-Schleuse ist die umfangreichste Station mit 5 Kammern und 23 m Hubhöhe – der Schleusengang dauert eine Stunde und ist wirklich sehenswert. Nachdem das Schiff in die offene obere Schleusenkammer eingefahren und vertäut ist, wird mit Manneskraft das Schleusentor über eine Hebelstange, die in kleinen Stufen einrastet, geschlossen. Dann werden die Wasserluken - ebenfalls händisch - langsam geöffnet und das Wasser rausch und sprudelt mit lautem Getöse wie ein Wasserfall durch die erst kleinen, dann größer werdenden Öffnungen. Langsam steigt der Wasserpegel in der vorderen Kammer und in der hinteren fällt er - also auch das Schiff, dessen Leinen langsam nachgelassen werden -  bis ein Gleichstand der beiden Kammern erreicht ist. Nun wiederholt sich der Vorgang 5 mal, bis das Niveau vom Eingang in die Schleuse auf 59 m zum Ausgang von 36 m - also der Höhenunterschied von 23 m - geschafft ist.

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Der Bau des Telemark Kanals

Die Bauern im obere Teil der Telemark haben ihr Holz jahrhundertelang zu den Sägewerken in Ulefoss und Skien geflösst. Ein besonders großes Problem entstand durch den Vrangfoss – krummen Wasserfall. Bevor das Schleusensystem gebaut wurde, war der Flussabschnitt bei Vrangfoss eine 2 Kilometer lange Stromschnell tief in Canyons und Schluchten. Die Stämme blieben an mehreren Stellen hängen – viele tausend Hölzer konnten sich so ineinander verhaken und verkeilen und den Wasserweg verschließen. Die Flößer, die die Aufgabe hatten, diese Holzhaufen zu lösen – eine lebensgefährliche Arbeit. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Wassefall einige Felsen gesprengt doch erst viele Jahre später wurde das Problem durch Bau des Telemark-Kanals in Angriff genommen.

staumauer vrangfoss schleuseDie Bauarbeiten in Vrangfoss waren eine besondere Herausforderung, denn mit Bau des Scheusensystems wurde gleichzeitig ein Staudamm errichtet, doch der Boden entpuppte sich nicht als fester Fels sondern als 9 m tiefe, mit Kies gefüllte Rinne. Mit satten 33 m Höhe und einer Dicke von 4 m im oberen und 21 m im unteren Bereich ist sie die größte Staumauer des Kanals und als der Staudamm neu war, war er der höchst Steindamm Nordeuropas.

Am 21. Januar 1887 traf der erste Minenschuss den Vrangfoss. Tag und nacht wurde mit 500 Leuten gearbeitet. Der Winter war die wichtigste Arbeitsperiode, weil der Fluss dann weniger Wasser führte. Das Wasser wurde in einem Tunnel am Wasserall vorbeigeführt. Schwere Steinblöcke wurden geschnitten und für den Bau von Dämmen und Mauern auch in den Schleusenkammern verwendet. Bei Vrangfoss wurden 2 Steinbrüche und eine Schmiede errichtet. Eine Katzbahn transportierte die fertigen Steinblöcke hinunter zur Schleusenanlage. Die Schleusentore wurden vor Ort hergestellt.

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