Archena

Mit dem Wohnmobil nach Archena zum Rio Segura

Archena - Eine Oase in der Steppe der Provinz Murcia

Die Kleinstadt Archena am Río Segura -  nur gut 20 km nordwestlich von Murcia entfernt auf etwa 110 m über dem Meeresspiegel - liegt in einer trockenen Ebene, die rundherum von schroffen Hügeln umgeben ist. Der Wohnmobil Stellplatz liegt direkt am Rio Segura gegenüber des "Cabecico del Tío Pío" an der Promenade und ist ein toller Ausgangspunkt zur Erkundung der Stadt und des Valle Ricote.

Die Region um Murcia zählt zu den trockensten Gebieten Europas mit etwa 300 Sonnentagen im Jahr. Die Temperaturen sollen im Sommer mit Leichtigkeit über 40°C steigen. Die Winter seien relativ angenehm, dennoch werden ab und zu auch Minusgrade im einstelligen Bereich erreicht. Jetzt zur Weihnachtszeit 2021 haben wir mal Sonne und mal ein paar Tropfen Regen – die Temperaturen liegen bei 15-20 und nachts bei 9 bis 14 Grad. Hier in Spanien geht die Sonne so um 8.17 auf und um 17.48 unter - auf Sizilien war es 7.15 - und 16.48, so erscheint uns der Winter weniger dunkel. Archena ist berühmt für seine heißen Heilquellen, in denen schon seit Jahrhunderten im Balneario de Archena gebadet werden kann.

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Archena liegt am Ufer des 325 km langen Flusses Segura, eingebettet in fruchtbare Landschaften mit riesigen Obst- und Gemüsekulturen. Einer Oase gleich grünt es um den Flußlauf mit üppigen Palmen und großen Bäumen, von denen uns die mächtigen Eukalyptusbäme beeindrucken.

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Oft wird diese Region um Murcia auch als der "Gemüsegarten Europas" bezeichnet, denn von hier werden Obst, Gemüse und Gewürze exportiert - wie geht das eigentlich, so fragen wir uns angesichts der steppenähnlichen Landschaft.

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Das dafür benötigte Wasser wird über Kanäle von den Nachbarregionen Kastilien-La Mancha im Norden hier in die Steppen geleitet. Die Grundlagen dafür wurden schon in maurischen Zeiten gelegt. Bei einer Radtour sehen wir ein bisschen von diesem Kanalsystem, das mit Wasserbecken und Pumpen über große Rohrsysteme an die Felder geführt werden. Auf diesen Obstbaumplantagen liegen wohl tausende Meter dünner Kunststoffrohre zur künstlichen Bewässerung.

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Diese Wasserverteilung führt wohl auch immer wieder zu politischen Konflikten mit den anderen autonomen Gemeinschaften. Jetzt im Winter sind die Aprikosen-, Pfirsich- und Nektarinenbäume kahl und stehen verloren auf den sandigen Plantagen. Ohne Bewässerung wäre die „Huerta“ de Murcia –(von lateinisch hortus = „Garten“) - eine Wüste.

Ausgenommen der wie Oasen erscheinenden Flusstäler gedeihen in der übrigen steppenartigen Landschaft nur karges Gestrüpp und Espartogras. Ein kleines Museum zu diesem Gras ist im Palast Villa Rías untergebracht und stellt eine Vielzahl von Gebrauchsgegenständen aus, die aus diesem „Allzweck“ Gras hergestellt wurden. Es kommt im Mittelmeerraum vor, aber auch in der Westsahara und wächst ausschließlich auf tonigen aber auch salzhaltigen Böden.

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Die Blätter des Espartograses wurden für Seile und in Flechtarbeiten auch für Hüte, Körbe und sogar Kleidung benutzt. Doch durch das Aufkommen von Kunststoff ist dieses Handwerk - wie vieles - andere unrentabel geworden. Außerdem kann nach spezieller Bearbeitung das Gras zur Herstellung von hochwertigem Papier (Alfapapier) verwendet werden.

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Zwischen den kargen Landschaften mit teilweise bizarren Erosionen rund um Archena sind schöne Wanderwege angelegt – die Route de Miradores mit 8 km führt um den Monte Ope auf 276 m und wir haben wirklich tolle Ausblicke in das Valle de Ricote und bis Murcia.

In Archena sind viele Fabriken verschwunden, aber sie haben uns Backstein - Schornsteine hinterlassen, die in den Himmel ragen und einst Rauch als Symbol der wichtigen Konservenindustrie ausspuckten. Das Interessante an ihnen ist, dass sie aufgrund ihrer geringen Dicke nur von einer Person gebaut wurden und zwar von innen! Fast wie bei einem Extremsport baute der Maurer die Wände und kletterte auf den Schornstein, indem er Metallhaken in diese neu gebauten Wände nagelte. Und das mit einer Höhe von bis 20 Metern - eine wahre Meisterleistung.

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